Glasmuseum eröffnet Ausstellung zum Jubiläum Noelle + von Campe

150 Jahre Glasgeschichte aus Boffzen

BOFFZEN. Häufig kommt es im Leben anders als man denkt. So ging es den Ausstellungsplanern des Freundeskreises Glasmuseum Boffzen. 150 Jahre Noelle + von Campe (NC) Glashütte wollten sie zunächst mit einer Fotoausstellung feiern. Nun ist eine Sonderausstellung mit vielen historischen Glasprodukten, Dokumenten und Fotografien daraus geworden. Bis Ende Oktober ist sie zu sehen.

Sie erzählt von den Familien, die bis heute der Glashütte ihren Namen geben. Burckhard von Campe, Urenkel des Gründers August von Campe, warf in seiner Rede zur Eröffnung einen Blick zurück. Sein Urgroßvater begann zunächst eine militärische Karriere. 1871 gab er seinem Leben eine überraschende Wende: August von Campe erbte einen Teil des Familiengutes, ließ sich von seinen beiden Brüdern auszahlen und stieg bei der Glashütte in Boffzen als Teilhaber ein. Die folgenden Jahrzehnte bescherten der Familie zunächst erfolgreiche und glückliche Jahre. Krisen und Herausforderungen, so Burckhard von Campe, gab es dennoch: In den 1930er Jahren ließ die Weltwirtschaftskrise das Unternehmen straucheln. Fünfzig Jahre später musste die Familie eine Mehrheitsübernahme aus Holzminden abwehren. „Man kann uns bis heute zu Recht als familiengeführtes Unternehmen bezeichnen“, schloss von Campe seine Rede.

Wie wichtig NC für die Gemeinde sei, betonte Bürgermeister Horst Menzel. „Einer kann ohne den anderen nicht leben“, stellte er fest. Die Arbeitsplätze seien für Boffzen unverzichtbar. Wie diese sich in den vergangenen 150 Jahren gewandelt haben, zeigt die Ausstellung: Auf zahlreichen Fotos stehen die Glasbläser an der Wanne und blasen Lampenschirme oder Bonbongläser. Dokumente zeigen, wie hart diese Arbeit war und teils auch gefährlich. Dies ist heute vergessen. Ebenso wie einige ehemalige Produkte - Vogelbadehäuser oder Lampenzylinder für die Bahn.

Was die Recherchen zutage förderten, überraschte auch Walter Waske, Vorsitzender des Freundeskreises Glasmuseum. Er beschrieb, wie sich sein Blick gewandelt habe: „Wenn ich aus der Haustür trete, sehe ich die Straße entlang und weiß: Das Brückfeld mit der Steinbreite gab 1866 der Glashütte ihren ersten Namen. Die alten Häuser aus Sandstein haben einst Glasmacher errichtet.“ Er hoffe, dass die Ausstellung nun auch den Besuchern manch neuen Blick eröffne. Und er erfahre, warum der Titel „von wegen nur Einkochgläser“ stimme: „Einmal, weil Noelle + von Campe in all den Jahren viel mehr als nur Einkochgläser gefertigt hat. Und, weil Einkochgläser sehr wichtig sind, in Zeiten der Not genauso, wie in Zeiten des Überflusses.“

 

Allgemeine Informationen zu Ausstellung

Dauer: 31. August bis 30. Oktober 2016

Öffnungszeiten

Mittwoch, 14-17 Uhr

Samstag und Sonntag, 11-17 Uhr

Sonderöffnungszeiten auf Nachfrage

Eintritt:

Erwachsene 3,50 Euro

Kinder und Jugendliche 16 Jahre 1,50 Euro

Gruppenpreise und Führungen auf Nachfrage

Kontakt:

Vorsitzender Walter Waske, Telefon: (05271) 95 03 04, E-Mail: Walter.Waske@t-online.de