Der Freundeskreis Glasmuseum Boffzen zeigte 2015 eine Wilhelm Wagenfeld Ausstellung in den Räumen für Sonderausstellungen des gemeindlichen Glasmuseums in Boffzen – Bahnhofstraße 9c.

 Glas hat Wilhelm Wagenfeld, den Pionier industrieller Produktgestaltung, immer wieder fasziniert und inspiriert. Das Glasmuseum Boffzen stellt seine wichtigsten Entwürfe der 1930er und 1940er Jahre vor. Nach seiner Zeit am Staatlichen Bauhaus in Weimar beginnt Wagenfelds berufliche Reifung: Den Grundgedanken des Bauhauses, Kunst und Technik zu verschmelzen, will er nun in der Großindustrie umsetzen. Mit Sorgfalt gestaltete und dennoch bezahlbare Produkte sollen entstehen, Schönes für jeden Haushalt erschwinglich sein. Diesem demokratischen Ansatz wird Wagenfeld in den kommenden Jahrzehnten treu bleiben.

1931 schließt Wagenfeld einen Werkvertrag mit Jenaer Glaswerk Schott & Genossen. Sein erster Auftrag, das Teeservice, ist bis heute ein zeitloser Klassiker. Es folgen zahlreiche weitere Entwürfe aus feuerfestem Glas, von der Backschüssel bis zum Tassenfilter für den möblierten Herrn. Begleitet werden sie von einer umfangreichen Werbekampagne, die sein ehemaliger Lehrer am Bauhaus, László Moholy-Nagy, verantwortet. Diese wird ebenfalls im Glasmuseum zu sehen sein.

Eingebettet in einem Unternehmen gestalten zu können, dieses Ziel erreicht Wagenfeld 1935: Er übernimmt die künstlerische Leitung der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser, der damals größten europäischen Glashütte. Hier will er seine eigenen Qualitätsmaßstäbe einführen. Die von ihm entwickelten Gläser bekommen eine Rautenmarke als Siegel für besondere Güte. Aus dieser Schaffenszeit präsentiert das Glasmuseum so legendäre Entwürfe wie die „Herzvasen" oder die Gläserserie „Oberweimar". Aber auch seltene Stücke, beispielsweise ein vom Maler Charles Crodel gestalteter Becher, sind zu sehen. Die Schau will jedoch nicht nur Wagenfelds Schaffen abbilden, sondern auch den einschneidenden Wandel der Gesellschaft zeigen. Die Nationalsozialisten zerschlagen die Demokratie, setzen sogleich ihre antisemitische und völkische Kulturpolitik um. Der Zweite Weltkrieg beendet auch Wagenfelds Schaffen, er muss als Soldat an die Ostfront.

Ohne den Berliner Sammler Helmut Günther wäre diese Ausstellung nicht möglich. Er stellt seine über Jahrzehnte zusammengetragenen Glas-Objekte dem Museum in Boffzen zu Verfügung.


 Biografie Wilhelm Wagenfeld

15. April 1900 - Als Sohn von Heinrich Wilhelm Wagenfeld und seiner Ehefrau Elisabeth in Bremen-Walle geboren.

1923 - 1925 - Metallwerkstatt des Staatlichen Bauhauses Weimar. Gesellenprüfung vor der Weimarer Handwerkerinnung als Silberschmied und Ziseleur. 
                       Metall-Entwürfe, „ Bauhaus - Leuchte".

1926 - 1930 - Assistent, ab 1928 Leiter der Metallwerkstatt der Staatlichen Bauhochschule Weimar. Entwurf von Metallgeräten und Leuchten; 
                       ab 1929 Zusammenarbeit mit der Industrie.

1931 - Beginn der künstlerischen Mitarbeit in der Großindustrie: Vertrag mit dem Jenaer Glaswerk Schott & Gen. für feuerfestes Haushaltsglas
           und Leuchten. Einzelaufträge der Porzellanmanufakturen Fürstenberg (1934) und Rosenthal (1938).

1935 - Übernahme der künstlerischen Leitung der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser/Oberlausitz.

1937 - Goldmedaille der Weltausstellung Paris für Jenaer und Lausitzer Glas

1940 - Triennale Mailand: Auszeichnung mit dem Grand Prix.

1949 - Umzug nach Stuttgart, Vertrag mit der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen als künstlerischer Leiter (Metall u. Glas); 
            Zusammenarbeit bis 1977.

1954 - Gründung der „Werkstatt Wagenfeld, Versuchs- und Entwicklungswerkstatt für Industriemodelle"; zugleich Ausbildungsstätte.

28. Mai 1990 - In Stuttgart gestorben; beerdigt in Collex-Bossy (bei Genf), Schweiz.